
- Ilias Moschos - ILP Coach & Fachtrainer - Ilias Moschos
Ein Sportler-Sprichwort besagt: Wettkämpfe werden nicht nur im Training entschieden, sondern auch mit dem Kopf! Wenn Fans und Zuschauer einen Weltmeister, Olympiasieger oder Turniergewinner bejubeln, ist ihnen oft gar nicht bewusst, welche harte und auch geistige Arbeit hinter dem Erfolg steht.
Mentales Training im Sport - ein Mentaltrainer steht Rede und Antwort
Im Spitzensport reicht heute die körperliche Leistungsfähigkeit allein nicht mehr aus: Viele Champions schwören auf Mentaltrainer oder Sportpsychologen. Suite101 wollte mehr über die mentale Vorbereitung im Sport erfahren und hat darüber mit Ilias Moschos, einem Experten in Sachen Coaching und Mentaltraining*, gesprochen.
Suite101: Herr Moschos, zahlreiche Sportlerinnen und Sportler setzen auf Mentaltraining. Erklären Sie uns bitte, was Mentaltraining überhaupt ist. Gibt es dafür eine Definition?
Ilias Moschos: Es gibt sicher sehr viele Definitionen von Mentaltraining. Denn hierbei handelt es sich um einen Markt, auf dem sich zahlreiche Anbieter positionieren möchten. Es scheint heutzutage sexy und schick zu sein, sich als Sportpsychologe zu präsentieren, obwohl es kein Studium der Sportpsychologie gibt. Vereinzelt werden Sportthemen während eines Psychologiestudium beleuchtet, doch meist bedienen sich die Psychologen und Sportwissenschaftler bei den Mentaltrainern und Coaches. Mentales Training bedeutet vor allem das „Sichvorstellen“ einer Handlung ohne deren praktische Ausübung. Durch Mentaltraining ist es möglich, mentale Prozesse bewusst werden zu lassen und diese auch systematisch zu beeinflussen. Dazu gehört sowohl die kognitive Seite, zum Beispiel das Formulieren realistischer Ziele, als auch die emotionale Seite, was unter anderem bedeuten kann, dass man unter großem Druck die maximale Leistung abruft.
Suite101: Was genau können vor allem Sportlerinnen und Sportler von Mentaltraining und Coaching erwarten?
Ilias Moschos: Zunächst sollte man bitte keine Wunderdinge erwarten, wenn der Begriff „Coaching“ oder „Mentaltraining“ fällt. Dabei handelt es sich um völlig natürliche, nachvollziehbare Prozesse. Der tatsächliche Grund, sprich die Wurzel des Übels für einen Leistungseinbruch oder das „Nichtabrufenkönnen“ einer Leistung im entscheidenden Moment, wird ersichtlich. Wenn das einmal klar ist, können die Sportler ihren Körper im Einklang mit Kopf und Geist viel gezielter und bestimmter trainieren und einsetzen. So gelangen sie dann in die Zone der idealen Leistungsfähigkeit
Suite101: Wie sieht Ihr Angebot aus? Wie unterstützen Sie Ihre Kunden beziehungsweise Klienten bei der mentalen Vorbereitung?
Ilias Moschos: Ich setze verschiedene Methoden ein: zum Beispiel das systemische Arbeiten oder auch Elemente aus dem Feld der Hypnose. Letzten Endes entscheide ich das immer dann, wenn mir der Klient ausreichend vertraut und bekannt ist. Ich möchte nicht die Aspirin aus dem Koffer holen und eine Symptombehandlung durchführen. Mentaltraining ist immer ein individueller und persönlichkeitsbezogener Prozess. Der Methodenkoffer ist prall gefüllt.
Suite101: Wie sind Sie zum Mentaltraining gelangt? Wie sieht Ihre Praxiserfahrung aus, was Mentaltraining und Coaching im Sport angeht?
Ilias Moschos: Zufälle sind Fälle, die einem „zu-fallen“. Durch so einen „Zu-fall“ bin ich auch an meinen ersten Einsatz als Mentaltrainer gekommen. Ich bin seit vielen Jahren freiberuflich als Systemischer Coach** tätig und einmal kam ein äußerst zufriedener Klient mit einer Bitte auf mich zu: Ich solle Kontakt zu einem Bekannten aufnehmen, dessen Sohn Motorradrennfahrer ist und gerade auf dem Sprung in den Profibereich. Ich habe das abgelehnt mit der Bemerkung, dass ich zwar daran interessiert bin, allerdings nur wenn der junge Mann sich bei mir meldet. Der Grund liegt darin, dass ich nur mit denjenigen Leuten arbeiten kann, die mit mir arbeiten wollen. Der junge Mann kontaktierte mich schließlich seinerseits und unsere Arbeit war sehr erfolgreich, was die nächste Empfehlung mit sich brachte. Dies wiederholt sich bis heute.
Suite101: Haben Sie einen Tipp für eine Mentalübung parat? Was kann man tun, um seinen Kopf auf Sieg zu programmieren?
Ilias Moschos: Sportlerinnen und Sportler sollten sich immer auf das konzentrieren, was sie erreichen und nicht auf das, was sie vermeiden möchten. Wenn ein Golfer denkt „jetzt bloß nicht in den See mit dem Ball“, dann wird er unbewusst alles dafür tun, dass der Ball im See landet. Die positive Formulierung dagegen ist schon ein entscheidender Faktor. Wenn das vorher erarbeitete Ziel erreicht wird, darf man sich auch ruhig selbst belohnen.
Suite101: Wie viel Zeit und Geld sollte eine Sportlerin oder ein Sportler ungefähr investieren, damit mentales Training und Coaching erfolgreich ist?
Ilias Moschos: Das kann man im Vorfeld nicht genau sagen. Es gibt Menschen, die einen kurzen Prozess benötigen und dann läuft es einfach, weil sich alles löst. Andere wiederum brauchen eine längere Begleitung in gewissen Zeitabständen. Zum Abschluss: Eine wichtige Grundvoraussetzung für erfolgreiches Coaching und mentales Training ist Vertrauen, Verständnis, eine objektive Empathie beim Trainer und ein wertschätzender, respektvoller Umgang miteinander. Darauf basierend lässt sich sehr erfolgreich arbeiten, ganz ohne „Chaka Chaka“.
Suite101: Vielen Dank für das interessante Interview zum Thema Mentaltraining und Coaching.
* Das Mentaltraining als Prozess steht auf vier Säulen: Orientierung, Stärken steigern, mentale Blockaden und Erfolgskontrolle. Inhalte der Orientierungsphase sind Werteanalyse, Zielarbeit und Stärkenanalyse. Aus diesen Ergebnissen werden die Stärken gesteigert, zum Beispiel durch Konzentrationsarbeit, Selbstmotivationsstrategien oder Optimierung der mentalen Bewegungen. Im dritten Schritt gilt es: Blockaden zu erkennen, Blockadenprävention und Blockadenlösungen durchzuführen. Als Ergänzung wird mit dem Unterbewusstsein gearbeitet. Zum Abschluss steht die Erfolgskontrolle, bei der es darum geht, Messinstrumente zu bestimmen, um die gesetzten Ziele zu beobachten und zu begleiten.
** Systemisches Arbeiten bedeutet: das System des Klienten oder des Trainers in seiner Ganzheit in das Coaching/die Supervision/das Mentaltraining zu integrieren und zu erfassen. Das ganze System umschließt seine Herkunft, seine Familie oder Partnerschaft, seinen Beruf, der Freundeskreis etcetera. Die Voraussetzung dafür ist das Studieren der Gesetzmäßigkeiten eines Systems.
Quellen und weitere Informationen über Mentaltraining und Coaching:
- Ilias Moschos, IM Coaching & Training, ILP Coach & Fachtrainer, Windmühlenstraße 83, 47800 Krefeld, Mobil.:+49 (0) 172/2639868
- Buchtipp: Mentaltraining für Sportler - Ratgeber mit Geschichten
- Praxistipp: Mentaltraining für Sportler - Übungen
- Gedanken lesen und hellsehen
